Bosau und Prokop gegenübergestellt

 Bosau und Prokop gegenübergestellt

Bosau und Prokop sind völlig unterschiedliche Chronisten und trotzdem sehr ähnlich.

Helmold von Bosau lebte in Deutschland des 12. Jahrhundert als Chronist und Geistlicher, Prokopios von Caesarea um 500 n. Chr. im Byzantinischen Reich.

Was macht sie denn nun so ähnlich? Ihre Schriften. Prokop gilt als seriöseste Quelle bzgl. den frühen Slawen, das darf aber gerne in Frage gestellt werden, und Helmold als wichtigste über die Slawen in Deutschland. Auch dies darf in Frage gestellt werden. Nichtsdestotrotz sind beide enorm wichtig, und haben viel zur Wissenschaft beigetragen.

Nun muss man intepretieren. Keiner von beiden, weder Prokop noch Helmold, schrieb exakt. Auch damals gab es gewisse Normen des Schreibens, eigene Erfahrungen und Sichtweisen. Immerhin waren beide auch nur Menschen.

Bei Helmold liest man es leichter raus als bei Prokop. Helmold schrieb zu Beginn wer die Slawen sind und zählt die Völker auf. Dann aber, im folgendem Text, spricht er die Staaten Polen, Böhmen, etc. exakt an und mit den Slawen meint er die Staatenlosen in Deutschland. Man könne es also so intepretieren, als sei es abwertend gemeint, indem man den Überbegriff nimmt. Als würde bei bei den Iren nicht von Iren, sondern von Kelten sprechen, oder mit Iberer einen Portugiesen meinen.

Prokop macht es ähnlich, wobei er es nicht gewollt so schreibt. Der einzige Staat der Slawen, zumindest zu Prokops Zeiten, war der antische. Die restlichen Völker der Beresiten, Belegeziten, Drougoubitai, Sagoudatai, Melingoi, Ezeritai, Baiounetai, Berzetai, Rynchinoi, Stroumanoi und viele weitere wurden gemein als Sklavenen bezeichnet. Sie waren vermutlich nicht einmal ganze Völker, sondern Gefolge von aufständischen Fürsten. 

Um kurz das Ausmaß der vermeintlichen "Völker" zu nennen. Max Vasmer fand alleine auf Peloponnes 429 slawische "Völker". Der Großteil der oben genannten Gruppen stammte aus der Provinz Makedonien.

Was nochmal wichtig bei Prokop zu erwähnen ist: Prokop schrieb von keiner slawischen Einwanderung oder gar einer Invasion. Prokop verzeichnete den antischen Staat zusammen mit Sklavenen im Norden der Donau. Da Sklavenen aber ein Oberbegriff war, ist diese Aussage nicht exakt. Es lebten zwar Oberhalb der Donau Sklavenen, aber die in Makedonien etc. waren schon da. Außerdem schrieb Prokop von Überfällen auf die Provinz Makedonien, genauer auf die Stadt Thessaloniki. Ob das so stimmt darf angezweifelt werden. Es gibt keine Beweise dafür. Diese Aussage trifft alleine Prokop. Vermutlich ist es bloße Propaganda, um das Byzantinische Reich zu festigen. Es gab sicherlich Überfälle, aber auf byzantinische Karawanen und Handelszüge. Was wollten die Sklavenen denn von den Bauern? Essen wohlmöglich, was aber auch der einzige mögliche Grund sein dürfte. Auch war aufeinmal halb Griechenland sklavenisch, ohne eine einzige Schlacht oder Belagerung. Thessaloniki soll belagert worden sein, doch auch hier steht Prokop alleine da. Prokop ist vieles, aber eines definitiv nicht, neutral. Prokop war Historiker für den Kaiser, sprich man könnte ihn, wenn man böse sein möchte und etwas übertreibt, ihn das Sprachrohr des Kaisers schimpfen, oder gar mit Goebbels vergleichen.

Immerhin hatte er die Aufgabe Niederlagen schön zu reden, Feldzüge zu rechtfertigen und die Nachwelt dazu zu bringen an Byzanz zu denken, oder gar Byzanz für immer "leben" zu lassen.

Slaveni = glorreiche (sprechende, laute) Venedi? -> Aufstand

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